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Radar Info

Dr. Hermann Gysi
Roonstraße 18
76137 Karlsruhe

Tel (0721) 971 40 30

hermann.gysi@radar-info.de

Partner

Hagelabwehr in Südwestdeutschland

 

Seit 1999 betreut Radar-Info zusammen mit Südwest-Wetter die Hagelabwehr Projekte in Südwestdeutschland.

Südwest-Wetter erstellt die täglichen Wetterprognosen und Bereitschaftsempfehlungen, Radar-Info überwacht mit dem KIT-Radar kontinuierlich die Schutzgebiete und verschickt Warnmails, sobald es mit den Gewittern im jeweiligen Schutzgebiet losgeht oder sich ein Gewitter von außerhalb dem Schutzgebiet nähert.
Sobald ein Gewitter, das sich dem Schutzgebiet nähert oder sich im Schutzgebiet entwickelt, den Intensitätswert von 20 mm/h (ca. 44 dBZ) erreicht, werden alle 5 Minuten Infomails mit der Intensität, der Zugrichtung und der Verlagerungsgeschwindigkeit der Gewitterzelle an die Piloten verschickt. Wird eine Intensität von 60 mm/h (ca. 51 dBZ) erreicht, haben die Piloten die Anweisung, die Hagelabwehrflugzeuge unverzüglich starten. Sobald die Flugzeuge den Aufwindbereich der Gewitterzelle erreicht haben, werden die Brenner gezündet. Die Flugzeuge bleiben dann die ganze Zeit über an der Wolkenbasis im Aufwindbereich bis die sich Gewitterzelle entweder auflöst oder das Schutzgebiet verlässt.
Die von den Brennern erzeugten Silberjodid-Partikel (AgJ) gelangen über den Aufwind als zusätzliche Kristallisationskerne in die Zone, in welcher die Hagelbildung stattfindet. Das ins Gewitter einströmende, unterkühlte Wasser verteilt sich dadurch auf viel mehr Teilchen, so dass diese weniger groß werden und schmelzen können, bis sie den Boden erreichen.
Gut eingestellte Brenner erzeugen im Idealfall einen Partikelstrom von bis zu 1013 Teilchen pro Sekunde, was in einem durchschnittlich großen Gewitter-Aufwind einen zusätzlichen Input von bis zu 108 Kristallisationskernen pro m3 bedeutet.

Wissenschaftliche Begleituntersuchungen
Neben der operationellen Betreuung wurden im Auftrag der Hagelabwehr der Region Stuttgart regelmäßig Berichte erstellt und eine 2-jährige wissenschaftliche Begleituntersuchung 2015/16 durchgeführt. Darin wurden vier besonders interessante Hagelgewitter genauer untersucht. Zwei erfolgreich geimpfte, ein nicht geimpftes und ein mit nur einem Flugzeug geimpftes Gewitter, bei dem der Einsatz wegen der einbrechenden Nacht abgebrochen werden musste. Es wurde in den Medien kontrovers darüber berichtet und als Beweis für die Nichtwirksamkeit der Hagelabwehr herangezogen.
Eines der vier untersuchten Gewitter wurde darüber hinaus etwas ausführlicher in einer Publikation beschrieben und veröffentlicht.

Verlauf der Hagelabwehr in der Region Stuttgart im Jahr 2018
Auch in der Saison 2018 konnten wieder einige sehr gefährliche Hagelgewitter erfolgreich geimpft werden. Insbesondere am Nachmittag des 4. Juli, als von Nordwesten her ein mächtiges Gewitter mit über 15 km Durchmesser ins Schutzgebiet einwanderte. Es wurde mit zwei Flugzeugen geimpft. Es fiel im Raum Ludwigsburg zwar neben sehr viel Regen auch Hagel mit einer Korngröße von 2 bis 3 cm. Aber bei einer Reflektivität von über 62 dBZ, die im Gewitter gemessen wurden, fällt normalerweise Hagel mit einer Größe von 4 bis 6 cm. Dass nur Hagel mit einen Durchmesser von 2 bis 3 cm gefallen war , interpretieren wir als Effekt der Impfung durch die Hagelabwehr.
Es kam im Verlauf der Saison auch sonst ab und zu zu kleineren Hagelereignissen im Schutzgebiet der Region Stuttgart, aber für jedes Ereignis gab es eine plausible Erklärung. Oft war es so, dass die verursachenden Gewitter sehr kurzlebig waren und aus vielen Einzelzellen bestanden, so dass die Hagelabehr keine Chance hatte, immer rechtzeitig vor Ort zu sein und alle Einzelzellen zu impfen. Ein mal konnte wegen eines Sprengstoffalarms am Flughafen Stuttgart nicht rechtzeitig gestartet werden, so dass Hagel nicht verhindert werden konnte.

Nachdem die Hagelabwehr in der Region Stuttgart bisher so strukturiert war, dass die Piloten anhand der Bereitschaftsempfehlung sowie der verschickten Warnmails selbständig über den Startzeitpunkt und den Einsatzort entscheiden konnten oder mussten, wurde den Piloten diese Entscheidung diese Saison zum ersten Mal abgenommen. Sobald Bereitschaft angeordnet wurde, stand ein Meteorologe von Südwest-Wetter zur Verfügung, der den Piloten sowohl den Zeitpunkt des Starts als auch den Zielort, zu dem hingeflogen werden musste, übermittelte. Auch in der Luft konnten den Piloten Anweisungen übermittelt werden. Die Pilotenbetreuung war nach der Überwindung von Anfangsschwierigkeiten insgesamt sehr erfolgreich und wird nächstes Jahr weitergeführt. Es wurden die Piloten der Abwehrgebiete Stuttgart und Ortenau / Karlsruhe sowie der Pilot des WGV-Flugzeugs und die Piloten der Hagelabwehr im Schweizerischen Mittelland betreut.

Der vollständige Bericht ist unter Bericht über den Verlauf der Hagelabwehr in der Region Stuttgart im Jahr 2018 zu finden.

Zurückliegende Zusammenfassungen der Berichte ab 2017

 

Zurückliegende Berichte im pdf-Format 
2018   2017   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010  
2009   2008   2007                          

 

Karte der Hagelabwehrgebiete  
Südwestdeutschland  


Beteiligte Regionen in chronologischer Aufzählung
Region Stuttgart  
Region Schwarzwald Baar und Tuttlingen  
Region Vorderpfalz  
Region Ortenau und Karlsruhe  

 

Beteiligte Flugunternehmen  
Jumara Air Service  
FK Aviation  


Datenaufzeichnung und Urheberrechte: Institut für Meteorologie und Klimaforschung, KIT

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